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Gabriella Bianchini Tavella: So aktiv wie die Vulkane der Anden

Von der freiwilligen Helferin in Mato Grosso zur Koordinatorin der italienischen Abteilung der Fakultät "Kommunikation, Sprachwissenschaft und Literatur” an der päpstlich-katholischen Universität in Ecuador.

1970 entschied sich die damals knapp über Zwanzigjährige ihren Heimatort Sondrio zu verlassen um nach Ecuador zu gehen und dort einen Teil ihrer Zeit Menschen zu widmen die dringend Hilfe benötigen.
Heute, nach 30 Jahren, ist Gabriella in der Leitung von sozialen Projekten aktiver denn je – und davon profitieren viele Menschen auf unterschiedlichste Weise.

Seit 1970 haben sich viele Dinge verändert: "Ich bin am 2. Juli 1970 in Ecuador angekommen – ich erinnere mich noch als sei es gestern gewesen – als Freiwillige für das Projekt "Aktion Mato Grosso”. Der erste Berührungspunkt mit Ecuador war ein Dorf names Simiatug, 3.500m über dem Meeresspiegel, wo ich die erste Begegnung mit einheimischen Bauern hatte. Dort erfuhr ich was es bedeutet, im wahrsten Sinne des Wortes Nichts zu haben und ich war berührt von der Großzügigkeit dieser Leute die doch wenig mehr als ein paar Feldbohnen in ihren Töpfen hatten.”

In den folgenden Jahren habe ich Gabriella in Salinas besucht (einer der Orte an dem man sich heute mit eigenen Augen vom Erfolg und der Nachhaltigkeit des Einsatzes der freiwilligen Helfer des Projekts "Aktion Mato Grosso” überzeugen kann – heute werden die Projekte von der Ordensgemeinschaft der Salesianer betreut).
"In Salinas” fährt Gabriella fort "im Paramo (Vegetationsform in den Tropen, Anm. der Übersetzerin) der Berge, wo einem die Kälte bis in die Knochen kriecht, wo man die absolute Passivität der Leute einatmet, wird dir sofort der Hunger, das Elend und die hohe Kindersterblichkeits-Rate bewusst.” Hier hat Gabriella die Gründung einer Schule und das Projekte Maglificio miterlebt. "In Salinas habe ich die schönste und auch intensivste Zeit meines Lebens verbracht. Wie lächerlich wenn mir gesagt wurde: wie gut, wie mutig du bist. Ich habe sofort geantwortet: Ach was! Lasst uns lieber den Bauern danken die mir so vieles und vor allem so viele Fehler erlaubt haben.”

1975 wurde Gabriella als Italienisch-Lehrerin Dozentin and der päpstlich-katholischen Universität in Ecuador und wenige Jahre später Koordinatorin der italienischen Abteilung der Fakultät. Aber ihre altruistische Ader ließ ihr keine Ruhe...
"Ist es möglich, dass eine katholische Universität kein einziges Programm ins Leben gerufen hat, um die Bedürftigen dieses Landes zu unterstützen?”
Seit Jahren geisterte der Wunsch in Gabriella, an der Universität eine kleine Gruppe von jungen Leuten zu bilden, die, sensibel für die Realität des Landes, etwas erreichen können. Immer wieder hat sie den Verantwortlichen der Universität ihr Anliegen vorgetragen und sie zu überzeugen versucht und schließlich wurde vor vier Jahren die "Extensión Social Universitaria” ins Leben gerufen. Dieser Fachbereich hat die Entwicklung und Durchführung von sozialen Projekten in den ärmsten Regionen Ecuadors zum Ziel. Jeder Student der an dem sozialen Programm der Universität teilnimmt, grundlegende Voraussetzungen mitbringt und eine bestimmte Anzahl an Stunden ableistet, erhält eine Bescheinigung.

Heute umfasst die "Extensión Social Universitaria” der katholischen Universität eine große Anzahl junger Leute und hat im Wesentlichen zwei entscheidende Wirkungen: die Projekte dienen der sozio-ökonomischen Entwicklung Ecuadors und tragen außerdem zur Erziehung einer neuen Generation bei. Viele Jugendliche aus Quito kennen die Realität, die außerhalb ihrer gewohnten Umgebung existiert, gar nicht. Mit diesem Fachbereich wurde eine direkte Form der Ausbildung geschaffen die auf eigenen Erfahrungen der Jugendlichen basiert.

Heute konzentriert sich die Energie von Gabriella und ihren Studenten – zu denen sie eine sehr vertrauensvolle Beziehung aufgebaut hat – auf eine Region Ecuadors die in der Provinz Cotopaxi liegt (diese verdankt ihren Namen dem gleichnamigen aktiven Vulkan, der mit 5.897 Metern der höchste der Welt ist). In dieser Provinz, um genau zu sein in Sighcos, sind mehrere Projekte in Arbeit die kürzlich durch die Eröffnung einer Käserei, die Jugendliche aus der Region beschäftigt (einer von ihnen durfte ein einmonatiges Praktikum bei der Molkerei in Delebio-Sondrio absolvieren) und die Erbauung eines Hauses für alte Menschen ohne Familie, konkret Gestalt angenommen haben. Für den Sommer ist die Erbauung von 12 Klosetts in einer verarmten Gemeinde geplant. Außerdem ist vorgesehen, die Käserei auszubauen um weitere Arbeitsplätze zu schaffen und zusätzlich Eintritt zu erwirtschaften, mit dem weitere soziale Projekte in der Region finanziert werden können.

Der Tatendrang von Gabriella, die sich so hervrorragend in die ecudorianische Lebensweise eingefunden hat, erstreckt sich aber auch noch auf andere Gebiete. Ihr Tag beginnt um sieben Uhr morgens und endet um zehn Uhr abends und umfasst zusätzlich Journalistik-Kurse an der Universität, ihre Arbeit für die italienische Firma Ferrero sowie die Gesellschaft Dante Alighieri, eine neue Institution für Einheimische die sowohl die italienische Sprache, als auch etwas über die italienische Kultur lernen möchten.

Aber auch nach vielen Jahren in Ecuador bleibt die Liebe für ihr Heimatland unverändert: es gibt keine Person aus der Region Valtellino die nach Quito reist und nicht zu ihr nach Hause eingeladen wird, um sich gemeinsam an alte Freunde zu erinnern, Spaziergänge zu unternehmen und – falls möglich – gemeinsam italienische Gerichte zu kochen.

Michele Urbani, Juli 2003

Aktualisiert 25/01/2012

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